FiiO FT7 im Test – Das neue Planar-Schwergewicht mit Referenz-Potenzial


Mit dem neuen FT7 untermauert der Elektronik-Spezialist FiiO eindrucksvoll seine Ambitionen, im hart umkämpften Markt der High-End-Kopfhörer eine gewichtige Rolle zu spielen. Während die Marke vielen Audiophilen vor allem durch exzellente Digital-Analog-Wandler und portable Hi-Res-Player ein Begriff ist, zeigt dieser offene Over-Ear-Kopfhörer, dass die Entwickler auch im Bereich der anspruchsvollen Treibertechnologie ganz oben mitmischen können. Der FT7 ist als planar-magnetisches Schwergewicht konzipiert und verspricht, audiophile Tugenden mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis zu verknüpfen.

Technische Meisterleistung und materielle Opulenz

Das technologische Prunkstück des FiiO FT7 sitzt tief in den offenen Ohrmuscheln. Hier arbeitet ein planar-magnetischer Treiber, der mit einem beeindruckenden Durchmesser von 106 Millimetern zu den echten Giganten seiner Klasse gehört. Die ultradünne Membran misst gerade einmal einen Mikrometer in der Dicke. Diese extreme Leichtigkeit der schwingenden Masse ermöglicht eine blitzschnelle Impulsantwort und eine exzellente Detailwiedergabe über das gesamte Frequenzspektrum, das von tiefen 5 Hertz bis hin zu stolzen 40.000 Hertz reicht. Mit einer niedrigen Impedanz von 25 Ohm und einer Empfindlichkeit von etwa 94 Dezibel pro Milliwatt präsentiert sich der Kopfhörer auf dem Papier als relativ umgänglicher Partner für verschiedene Verstärker.

Die Materialauswahl und das optische Konzept erinnern auf den ersten Blick an die ikonischen, robusten Designs der amerikanischen Edelschmiede Audeze. Das Gehäuse strahlt durch den massiven Einsatz hochwertiger Materialien eine enorme Wertigkeit aus, auch wenn die Rasterung der Kopfbandverstellung für meinen Geschmack noch einen Hauch satter und definierter einrasten könnte. Ein echtes Highlight im Lieferumfang ist das drei Meter lange, stoffummantelte Kupferkabel. Dieses wurde in einem aufwendigen Verfahren schockgefroren, um die Kristallstruktur des Kupfers und damit die Signalübertragung zu optimieren. Unter dem edlen Stoffgewebe vermute ich eine stabile Kunststoffummantelung, die dem Kabel eine tolle Haptik verleiht. Dem Paket liegen neben einer eleganten Aufbewahrungsbox aus Leinen mit Kunstleder-Applikationen auch hochwertige XLR- und 6,3-Millimeter-Adapter bei, wobei letzterer an meinem Testgerät etwas strammer sitzen dürfte. Mit rund 427 Gramm Gewicht positioniert sich der FT7 stabil auf dem Kopf, ohne bei längeren Sessions unangenehm zu drücken.


Der klangliche Einfluss der Ohrpolster

FiiO legt dem FT7 erfreulicherweise zwei unterschiedliche Polstervarianten bei, die den Charakter des Kopfhörers spürbar in verschiedene Richtungen lenken. Die reinen Lederpads steuern das Klangbild in eine sehr präzise und audiophile Richtung. Der Bassbereich wirkt in dieser Konfiguration extrem definiert, die Bühne öffnet sich merklich weiter in den Raum und die gesamte Feinauflösung profitiert spürbar. Wer es hingegen etwas intimer, wärmer und sanfter mag, greift zu den Stoffpolstern, die an der Innenseite mit Leder versehen sind. Hier rücken vor allem Stimmen angenehm und präsent in den Vordergrund, während der Bassbereich etwas an Kontur verliert und die gesamte Bühnenpräsentation ein Stück kompakter ausfällt.


Die Performance an verschiedenen Verstärker-Setups

Im Zusammenspiel mit dem portablen Flaggschiff FiiO M17 – betrieben im Standardmodus ohne den extremen Over-Ear-Modus – zeigt der FT7 ein sehr entspanntes und eher dunkles Klangbild. Elektronische Titel wie "Parallel" von Overwerk laufen hier wunderbar flüssig und langzeittauglich, allerdings verfehlt diese Kombination die maximale Auflösung des Treibers und lässt den Bassbereich ein wenig zu dezent im Hintergrund agieren.

Eine absolute Überraschung offenbarte sich am stationären Topping A90D. Diese Kombination harmoniert erstaunlich gut und liefert eine überaus ausgewogene, stimmige Klangsignatur. Die Höhen wirken wunderbar abgerundet und neigen zu keiner Zeit zu Schärfe oder Härte. Bei dem Track "Rapture" von STRLGHT zeigt sich ein hervorragend definierter Bass, der auch ohne jegliche Equalizer-Eingriffe auf den Punkt spielt. Auch bei "City on the Moon" von Thomas Siffling bleibt der Bass jederzeit wahrnehmbar vorhanden, agiert schnell und trocken, ohne die Mitten zu überlagern oder Kompromisse bei der Feinzeichnung einzugehen. Zwar baut der Topping nicht die allergrößte Bühne auf und stellt die Mitten etwas dezenter dar, für eine stationäre Anlage im bezahlbaren Segment ist dies jedoch eine klanglich extrem ausgewogene Kette.

Am absoluten High-End-Flaggschiff Burson Soloist Voyager transformiert sich der FiiO FT7 noch einmal deutlich. Die Bühne wächst spürbar in die Breite und Tiefe, während die gesamte Darstellung aller musikalischen Ereignisse drastisch an Plastizität gewinnt. Die Ortbarkeit einzelner Instrumente im Raum gelingt hier völlig mühelos. Der Burson schiebt die Mitten deutlicher nach vorne, was dem Track "Talk" von Antoine Dufour eine fantastische, greifbare Energie auf der akustischen Gitarre verleiht. Der Bass gewinnt an physischem Druck, behält aber seinen trocken-konturierten Charakter ohne übertriebenen Punch. Für das ultimative Klangerlebnis habe ich per Equalizer den Tiefbass und die obersten Höhen minimal angehoben, um das von Haus aus eher dunkle Klangbild perfekt auszubalancieren.


Synergien und der finale Systemvergleich

Im direkten Vergleich mit einem klassischen Hifiman-Kopfhörer fällt auf, dass der FiiO FT7 grundsätzlich ein etwas dunkleres und wärmeres Klangbild pflegt. Während ein vergleichbarer Hifiman eine Nuance cleaner wirkt und Instrumente noch ein Stück isolierter im Raum platziert, kontert der FiiO mit deutlich präsenteren Mitten. Spannend ist dabei das Zusammenspiel mit den Verstärkern. Während der Hifiman zwingend einen extrem hochwertigen Antrieb benötigt, um sein volles Potenzial in der Räumlichkeit auszuschöpfen, gefällt mir der FiiO FT7 am Topping A90D fast besser als am großen Burson, da der Voyager die Mitten für meinen Geschmack eine Spur zu sehr betont, während der Topping die linearere und ausgewogenere Signatur herbeiführt.

Betrachtet man das Gesamtpaket, benötigt der FiiO FT7 im Alltag eigentlich überhaupt keinen Equalizer. Er liefert ab Werk ein ungemein ausgewogenes Fundament mit einem soliden, schnellen Bass, ohne dafür Kompromisse in der Auflösung einzugehen. Vergleicht man ihn mit einem etablierten dynamischen Klassiker wie dem Sennheiser HD 660S2, spielt der FiiO schlicht in einer völlig anderen Liga. Er agiert um Welten klarer, präziser und definierter über das gesamte Frequenzband hinweg. Damit ist der FT7 dem Sennheiser in allen Belangen deutlich überlegen und darf sich den Status eines echten Referenz-Kopfhörers absolut zu Recht auf die Fahne schreiben.