Meze Liric II im Test: Das neue Referenz-Niveau für geschlossene Kopfhörer?

Wer an High-End-Audio aus Rumänien denkt, kommt an Meze Audio nicht vorbei. Mit dem Meze Liric II schickt die Edelschmiede die zweite Generation ihres geschlossenen Planar-Magnetostaten ins Rennen. In diesem Review schauen wir uns an, ob das Upgrade vom Vorgänger gelungen ist, wie er an verschiedenen Verstärkern performt und wo er sich im Vergleich zum Lautsänger Explorer oder dem Hifiman HE1000 Stealth einordnet.

Begleitend zu diesem Artikel findest du hier mein ausführliches Video-Review:

Technische Raffinessen und das neue Sounding

Das technologische Fundament bildet erneut das hochentwickelte Rinaro Isodynamic Hybrid Array Treibersystem in der Variante MZ4, das exklusiv für geschlossene Gehäuse optimiert wurde. Mit einer angepassten Impedanz von 61 Ohm lässt sich der Kopfhörer nun spürbar besser skalieren als sein Vorgänger, während er mit einem Frequenzbereich von extrem tiefen 4 Hertz bis hin zu schwindelerregenden 92.000 Hertz arbeitet. Der maximale Schalldruck liegt bei über 130 Dezibel, und der Klirrfaktor bleibt über das gesamte Spektrum hinweg verschwindend gering.

Die entscheidende klangliche Neuerung liegt in der Integration der sogenannten Quarter Wavelength Resonator Mask. Diese speziell entwickelte Metallmaske sitzt direkt über dem Treiber und dämpft gezielt Hochfrequenzspitzen oberhalb von 7 Kilohertz ab. Das sorgt im Zusammenspiel mit dem überarbeiteten Werkssoundig für ein deutlich sanfteres, wärmeres und weniger ermüdendes Klangbild, ohne dass dabei die feine Detailtreue verloren geht. Unterstützt wird diese Akustik durch das bewährte Phase-X-System, welches Phasenverschiebungen minimiert, die bei geschlossenen Gehäusen sonst üblich sind.

Auch beim Zubehör und der Wartung hat Meze nachgebessert. Die Ohrpolster sind nun wie bei den großen Flaggschiffen Empyrean und Elite magnetisch befestigt, was den Austausch enorm erleichtert. Zum Lieferumfang gehört neben dem standardmäßigen TPE-Kabel nun auch direkt ein handgeflochtenes, symmetrisches PCUHD-Kupferkabel mit einem 4,4-Millimeter-Anschluss.


Verarbeitung, Haptik und der Tragekomfort im Alltag

Optisch vollzieht Meze mit der zweiten Generation einen Schritt weg vom reinen Industrial-Look hin zu einer naturnahen Eleganz. Die Kunststoff-Außenflächen des Vorgängers wurden durch fein gemasertes Macassar-Ebenholz ersetzt, was wunderbar mit dem mattschwarzen Magnesium-Chassis und dem robusten Kopfbügel aus Stahl harmoniert. Die Haptik ist durchgehend auf absolutem Manufaktur-Niveau. Die Längenverstellung läuft stufenlos und hält dennoch so fest, dass sich der Bügel beim Auf- und Absetzen nicht ungewollt verschiebt.

Beim Tragekomfort setzt Meze serienmäßig auf Hybridpolster, die innen mit weichem Velours und außen mit isolierendem Leder bezogen sind. Obwohl der Lieferumfang nur dieses eine Paar bereithält, überzeugt die Passform im Alltag. Das breite Kopfband sorgt für eine gute Verteilung des Gewichts, welches ohne Kabel bei etwa 427 Gramm liegt. Man spürt den Kopfhörer bei längeren Sessions zwar durchaus auf dem Kopf und an den Ohren, allerdings bleibt der Anpressdruck in einem absolut verträglichen Rahmen. Offene Konstruktionen mit einem schwebenden Kopfband-Bügel-System bieten systembedingt oft eine noch unauffälligere Gewichtsverteilung, dennoch schlägt sich der Liric II für ein geschlossenes Modell hervorragend.


Klangperformance an verschiedenen Verstärkern

Um das volle Potenzial des Rinaro-Treibers zu ergründen, musste sich der Liric II an drei völlig unterschiedlichen Quellgeräten beweisen. Am Fosi Audio GR70, der mit einem hochwertigen 6CB6A-Röhren-Upgrade ausgestattet war, zeigte der Kopfhörer eine wunderbar emotionale Seite. Die Mitten spielten gewohnt detailreich und atmeten förmlich die typische, stimmungsvolle Röhrenwärme. Im Bassbereich zeigte sich zwar ein voluminöses Fundament, allerdings fehlte es der Kombination ganz unten an echtem Tiefgang und dem letzten Quäntchen Punch. In Verbindung mit einem vorgeschalteten ESS-9038Pro-Wandler ergab sich hier eine sehr ausgewogene Kette, die für ein geschlossenes System in einer beachtlichen Liga spielt.

Am portablen Flaggschiff FiiO M17 präsentierte sich der Meze Liric II mit extrem natürlichen Stimmen und einer erstaunlich weitläufigen Bühne, die man einem geschlossenen Kopfhörer im Mobilbetrieb kaum zutrauen würde. Die Höhen zeigten sich transparent und klar, blieben dabei aber stets angenehm und frei von Schärfe. Wer dichte elektronische Musik hört, vermisst im Werkszustand vielleicht das allerfeinste Tiefbassgewitter, doch hier beweist das Treibersystem eine immense Pegelfestigkeit. Selbst wenn man einen parametrischen Equalizer nutzt und im Vorverstärker eine Absenkung von 15 Dezibel einstellt, um Verzerrungen zu vermeiden, bietet der M17 auch ohne externes Netzteil noch mehr als genug Leistungsreserven für laute Hörsessions. Besonders hochauflösende DSD-Dateien wie die von Carmen Gomez entfalten eine packende Atmosphäre, und auch das komplexe Zusammenspiel von Piano und feinstem Schlagzeug bei Romain Collins Track "Clockwork" profitiert spürbar von dieser fein aufgelösten Kette.

Der Wechsel auf den Burson Soloist Voyager als stationäre High-End-Referenz trieb die Detailauflösung schließlich auf die Spitze. Die Bühne öffnete sich zwar nicht ins Unendliche, blieb aber für die geschlossene Bauweise absolut stimmig. Dafür wirkte die gesamte Abbildung extrem plastisch und greifbar. Bei "Louise" von The Black Keys wurden die Becken des Schlagzeugs messerscharf und greifbar in den Raum gestellt. Der Titel "Bubbles" von Yosi Horikawa demonstrierte eindrucksvoll die Schnelligkeit und die dynamischen Fähigkeiten des Planar-Treibers. Die Kick-Drum besaß hier eine wunderbar konturierte, lebhafte Textur. Auch wenn sich absolute Tiefbass-Liebhaber vielleicht noch einen Hauch mehr physischen Druck wünschen, lädt die gelungene Abstimmung des Liric II hier ganz ohne künstliche Equalizer-Eingriffe zum puren Genießen ein.


Der Meze Liric II im direkten Vergleich

Spannend wird es beim Blick auf die hauseigene Verwandtschaft, namentlich den Lautsänger Explorer. Dieses Modell basiert auf dem Meze 99 Classic, wird jedoch in aufwendiger Handarbeit modifiziert und liegt preislich mit etwa 2200 Euro sogar etwas über dem Liric II. Während der Explorer auf einen dynamischen Treiber setzt und eine geringere Impedanz aufweist, arbeiten beide Kopfhörer verhältnismäßig effizient, wobei der Lautsänger ebenfalls exzellent mit hochwertigen Verstärkern skaliert. Klanglich trennen die beiden jedoch Welten. Dank des planar-magnetischen Systems löst der Liric II in den Mitten und Höhen spürbar feiner auf. Der Lautsänger Explorer hingegen reißt eine für geschlossene Verhältnisse phänomenale Bühne auf, in der die Elemente noch freier im Raum stehen, und liefert einen deutlich dunkleren, druckvolleren Bass mit massivem Impact. Wer ein schlankeres Gewicht und den ultimativen Bass-Punch sucht, schielt zum Explorer, während Feingeister beim Liric II richtig aufgehoben sind.

Zieht man den Vergleich zum offenen Hifiman HE1000 Stealth, zeigt sich die ungleiche Natur der beiden Bauweisen sehr deutlich. In Sachen Dynamik, Schnelligkeit und Struktur im Bass ist der Hifiman dem Meze überlegen. Auch lässt sich der HE1000 per Equalizer nochmals deutlicher formen, obwohl beide mit entsprechenden Anpassungen sehr tief in den Frequenzkeller hinabsteigen. In den oberen Mitten und Höhen spielt der Hifiman konstruktionsbedingt wesentlich luftiger und transparenter, während der Meze Liric II die Mitten zwar ähnlich detailliert abbildet, dies jedoch in einem spürbar intimeren, geschlossenen Klangbild tut. Letztlich entscheidet hier nicht nur die reine Performance, sondern primär die Frage, ob man die akustische Isolation eines geschlossenen Gehäuses für seine Umgebung benötigt oder die völlige Offenheit bevorzugt.


Fazit und Zielgruppe

Mit dem Liric II hat Meze Audio eine konsequente und musikalisch ausgereifte Weiterentwicklung vorgelegt. Durch den Abschied von einer rein analytischen Abstimmung hin zu einem wärmeren, langzeittauglichen Charakter ist der Kopfhörer ein absoluter Traum für Liebhaber von Jazz, Klassik und intimen Akustikaufnahmen geworden. Er vereint edelste Materialien, handwerkliche Perfektion und innovative Treibertechnologie in einem Paket, das vor allem jene audiophilen Genießer anspricht, die auch in einer geschlossenen Bauweise keine Kompromisse bei der Auflösung eingehen wollen.